Den „Schwachen“ zuhören – warum auch ein eHealth-Start-Up sozial denkt

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„Die beschäftigen sich mit eHealth, was hat das mit Gedanken über unsere Gesellschaft zu tun?“ Eine ganze Menge! Erst vor kurzem hat das rechtsextremistische Attentat auf einen Mann aus Eritrea im hessischen Wächtersbach offengelegt, dass es Menschen in diesem Land gibt, die von Menschen zweiter Klasse ausgehen, die angeblich eine „Gefahr“ für „unser“ Land darstellen.

Als sozial denkendes Start-Up, welches sich mit Bereichen wie dem Gesundheitswesen und Krankheiten wie Demenz und Alzheimer auseinandersetzt, machen uns solche Taten auch immer wieder sprachlos und nachdenklich. Als Begründung für die Beschäftigung mit dem Thema hätte übrigens auch schon gereicht, ein Mensch mit einem gesunden Maß an Empathie zu sein. Das geht über Grenzen von Branchen und Berufen hinaus.

Pauschalisierungen entgegenwirken

Wenn Gruppen auf eine gewisse Weise pauschalisiert und über einen Kamm geschert werden, bestimmen Vorurteile (die natürlich jeder von uns mehr oder weniger in uns trägt) die Gesinnung und nicht logisches Denken. Natürlich darf man auch nicht blauäugig sein und muss erkennen, dass nicht alle Mitglieder einer mit negativen Vorurteilen behafteten Gruppe nette Menschen sind. Andersherum sind Menschen, die von Pauschalisierungen á la „Alle Ausländer sind Gewalttäter“ ausgehen, allerdings auf dem kompletten Holzweg. Schon unser Fingerabdruck belegt: Jeder Mensch ist einzigartig!

Wenn jemand eine Straftat begeht, ist das nicht gut und je nach Tat auch nicht zu entschuldigen. Und das unabhängig davon, wo die Person herkommt, in welchem Umfeld sie aufgewachsen ist oder wie sie aussieht, sondern weil sie es als eigenständiger Mensch getan hat. Das flächendeckende Urteil über alle Menschen einer Gruppe hat in diesem Land schon einmal zu unfassbarem Leid geführt. Wir sollten jeden Tag daran arbeiten, solche Pauschalisierungen über Menschen bestimmter Gruppen nicht zuzulassen.

Krankheit mindert nicht Recht auf Meinung

Dies gilt, natürlich auf einer anderen, viel unpolitischeren Ebene, auch für Vorurteile abseits von Hautfarbe, Herkunft und Religion: Wenn es um Menschen mit Demenz und Alzheimer geht, neigen manche Menschen zum Beispiel dazu, sie plötzlich wie Kleinkinder zu behandeln, die keine Entscheidungen mehr treffen können. Aber auch hier sind Pauschalisierungen oft fehl am Platz: Es gibt einige Fälle, in denen die Betroffenen auf einen Vormund etc. angewiesen sind und ihre Urteilsfähigkeit verloren haben, aber sicherlich trifft dies nicht auf alle zu.

Alzheimer- und Demenzpatienten bleiben auch mit ihrer Krankheit wichtige Elemente unserer Gesellschaft, denen es zuzuhören gilt. Auch bei anderen Menschen kann das Kennenlernen oder Zuhören in einem Gespräch Berührungsängste und Vorurteile abbauen.

Das Pflegen von Menschen mit Demenz bringt viel Zeit und Arbeit mit sich. Man darf aber nicht vergessen: Die Patienten haben immer noch das Recht auf ein (schönes) Leben, haben möglicherweise selbst Kindern das Leben geschenkt oder mit Sicherheit viele Erfahrungen in ihrem Leben gemacht, die uns heute noch einen wertvollen, inspirierenden Denkanstoß geben können. Sie können trotz Krankheit Liebe schenken und haben ihre eigene Meinung, die nicht weniger wert ist, als die einer anderen Person. Allein das Recht auf Leben befähigt sie dazu, auch mit der Krankheit nicht auf diese reduziert zu werden. Kein Mensch ist mehr wert als ein anderer! Das ist auch der Kern von Demokratie, in der alle Meinungen gehört werden sollten, die im Rahmen eines freiheitlichen, sozialen Grundkonsenses liegen. Lasst uns allen Menschen unser Gehör schenken, auch wenn sie auf den ersten Blick „schwach“ wirken!

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