„Für jede Familie die passende Unterstützung gewährleisten“ – Interview mit der Demenzexpertin Andrea Stix

Andrea Stix_Website

In unserem Interview erzählt die Demenzexpertin Andrea Stix über ihre verschiedenen Arbeitsfelder, warum sie diesen Berufsweg eingeschlagen hat und gibt ein paar Tipps zum Umgang mit Menschen mit Demenz.

Frau Stix, wie sind Sie dazu gekommen, Demenzexpertin zu werden?

Während meiner Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin habe ich in Pflegeheimen Besuchsdienste absolviert. Dort bin ich erstmals aktiv mit Demenz in Berührung gekommen und in mir ist der Wunsch entstanden, mehr über diese Krankheit zu erfahren. Ab diesem Zeitpunkt habe ich neben der Ausbildung zur Dipl. Morbus-Alzheimer-Trainerin auch viele Weiterbildungen rund um das Thema besucht (z.B. basale Stimulation, Validation) und schließlich an der Donau-Uni Krems studiert.

Die Krankheit verändert das gesamte Familiensystem. Daher ist es mir persönlich wichtig, für jede Familie die passende Unterstützung zu gewähren. Deshalb bin ich zusätzlich Dipl. Mental-, Intuitions- und Bewusstseinstrainerin und habe auch das Zertifikat der Trauer- und Sterbebegleitung.

Welche persönlichen Eigenschaften sind wichtig in Ihrem Job?

Ehrliches Interesse an den Menschen, jeder von ihnen ist einzigartig (es gibt keinen Menschen mit gleichem Krankheitsverlauf), Begegnung mit Würde und Respekt, Kommunikation auf Augenhöhe. Zusammengefasst: der Mensch, der mir gegenübersitzt, ist in diesem Moment die wichtigste Person.

Was motiviert Sie in Ihrem Job?

In der Arbeit mit Menschen mit Demenz begegne ich vor allem einer reichen Lebenserfahrung und unterstütze die Personen, ihre vielfältigen Ressourcen zu nutzen. In der – manchmal jahrelangen – Begleitung gibt es immer Momente der Freude und dankbare Worte oder Blicke.

In der Beratung von Angehörigen und dem Pflegepersonal gehe ich auf die individuellen Fragen im Umgang mit der Krankheit ein. Wenn es dann eine Weitempfehlung gibt, ist dies die schönste Form der Anerkennung meiner Tätigkeit.

Glauben Sie, dass pflegende Angehörige genug unterstützt werden? Wo sehen Sie einen Verbesserungsbedarf?

Ich lebe und arbeite überwiegend in Österreich. Telefonische Beratungen, welche online auf meiner Homepage gebucht werden können, konnte ich aber auch schon mit Angehörigen aus Deutschland durchführen.

Ich glaube aber generell, dass Angehörige zu wenig Unterstützung erhalten. Es gibt einfach zu wenig Entlastungsangebote wie bezahlte psychosoziale Begleitung, bezahlte Pflegefreistellung für berufstätige Angehörige. Auszeiten sind kaum möglich, da es an leistbaren, stundenweisen Besuchsdiensten mangelt.

Überdies darf man nicht übersehen, dass es auch Kinder gibt, die sich um ihre kranken Eltern sorgen. Für sie braucht es unbedingt personelle und psychische Unterstützung in jeder Form.

Die Corona-Pandemie hat erhebliche Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und u.a. auf das gesamte Gesundheitswesen. Welche Folgen hat sie Ihrer Meinung nach für die Pflege?

Menschen, die in der Pflege arbeiten, leisten einen überaus wertvollen und wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft. Leider hat auch Corona nicht dazu beigetragen, dass diese Berufsgruppe jene finanzielle Wertschätzung erhält, welche ihr aufgrund der Leistung zustehen würde.

Welche Tipps können Sie Angehörigen zum Umgang mit Demenzkranken geben?

Es gibt nicht das Rezept im Umgang mit der Krankheit. Jeder Mensch ist einzigartig und jeder Krankheitsverlauf individuell.

Dennoch möchte ich allen Angehörigen von Menschen mit Demenz ans Herz legen

  • sich über die Krankheit zu informieren
  • die Krankheit als solche zu akzeptieren und den Menschen dahinter nicht zu vergessen
  • der erkrankten Person liebevoll und geduldig begegnen.

Vielen Dank das Sie sich die Zeit für dieses Gespräch genommen haben!

Zur Person

So beschreibt Andrea Stix Ihre Berufung:

„Ich darf Familien, in denen eine Person an Demenz erkrankt ist, begleiten. Jeder Tag ist einzigartig und vielfältig.

Im lebendigen Austausch mit den Betroffenen kann ich so viele Ressourcen entdecken, so viel Herzlichkeit spüren und darf von deren Lebensgeschichte lernen. In meiner monate- manchmal auch jahrelangen Begleitung auf Augenhöhe steht Freude und positives Erleben im Vordergrund.

Angehörige und andere Betreuungspersonen profitieren von diesen Erfahrungen aus meiner Praxis. Sie finden in mir eine Energie-Tankstelle, die mit viel Einfühlungsvermögen auf die vorhandenen Bedürfnisse eingeht und beim Beseitigen der schweren Belastungen unterstützend zur Seite steht.“

Mehr Informationen finden Sie auf ihrer Homepage: https://www.felix-demenzbegleitung.at/

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