Corona-Virus: Interview mit Dr. Thomas Zimmermann

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Dr. Thomas Zimmermann ist promovierter Chirurg und Landespolitiker der CSU. Im Interview spricht er über Chancen und Risiken des Corona-Virus für uns und unsere Gesellschaft.

Das Corona-Virus, SARS-CoV-2, wurde nun offiziell von der WHO als Pandemie eingestuft. Wo sehen Sie aktuell die größten Gefahren für uns Menschen?

Man darf das neuartige Corona-Virus mit dem offiziellen Namen, SARS-CoV-2, auf gar keinen Fall unterschätzen und sollte möglichst genau den Hygieneanweisungen folgen. Dennoch befürchte ich, dass eine allgemeine Panik keine angemessene Reaktion auf die Pandemie ist. Viel mehr sehe ich die Gefahren eher in der Einschränkung des öffentlichen Lebens, Hamstereinkäufen und die Verbreitung von falschen Informationen, die aktuell viele Bereiche des Lebens dominieren. Das Bunkern von Schutzkleidung, Desinfektionsmittel und Atemmasken muss dringend unterbunden werden. Es sind Dinge, die in den Kliniken, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen dringend benötigt werden und aufgrund der aktuellen Weltlage nicht unmittelbar nachlieferbar sind. Wichtig bleibt: Vorsichtsmaßnahmen treffen aber weiterhin die Ruhe bewahren und sich in seriösen Quellen über das Virus informieren. Ebenfalls ist der soziale Gedanke bei jungen Menschen wichtig, die nicht unmittelbar lebensbedrohlich von dem Corona-Virus betroffen sind. Deshalb der Appell: Achtet auf euer Umfeld und denkt an die Menschen, die im schlimmsten Fall an dem Virus sterben könnten.

Welche Maßnahmen helfen denn gegen das Corona-Virus?

Ich halte die aktuellen getroffenen Maßnahmen von der Bundesregierung durchaus sinnvoll. Wichtig ist und bleibt, dass wir die Verbreitung des Corona-Virus so weit wie möglich einschränken und die Kapazitäten unseres Gesundheitssystems im belastbaren Rahmen halten. Ich frage mich jedoch, wie der nächste Schritt aussehen wird. Die Länder wie Italien, Spanien oder Belgien sind zwar deutlich stärker betroffen, allen voran Italien, jedoch müsste man meiner Meinung so einen Schritt wie Ausgangssperren zukünftig in Betracht ziehen, falls sich nichts verbessert. Weiter sind aktuell die Krankenhäuser gefragt und ihre Vorbereitungen auf eine Pandemie. Es muss Platz geschaffen werden für Patienten mit Covid-19-Infektionen, die eine imminente Behandlung benötigen und Patienten, deren Behandlung aus medizinischer Sicht nicht dringend notwendig ist, sollten möglichst nach hinten verschoben werden. Hier dürften digitale Gesundheitskonzepte eine große Rolle spielen, vor allem im Bereich Lokalisierung und Patientenortung oder bei der Einrichtung von digitalen Bereichen, die als Quarantänezonen gekennzeichnet werden können.

Wie gut ist das deutsche Gesundheitswesen auf eine Pandemie vorbereitet?

Die deutschen Krankenhäuser sind allgemein gut gerüstet für den Ausbruch einer Pandemie, was die Kapazitäten angeht. Es stehen genügend Betten, Intensivbetten und Intensivstationen zur Verfügung und es besteht die Möglichkeit, Krankenzimmer zu zusätzlichen Isolierzimmer umzufunktionieren, wenn sie über eine eigene Nasszelle verfügen und verbundene Lüftungen abschalten kann. Weiter lassen sich ebenfalls weitere Quarantänezonen einrichten. In dem Bereich hat das deutsche Gesundheitssystem aus starken Grippewellen und der SARS-Epidemie 2002/2003 gelernt und dementsprechend Maßnahmen erhoben. Es ist in der derzeitigen Lage jedoch schwer vorherzusehen, inwiefern sich der Erreger noch weiter ausbreitet und sich in Zukunft verhält. Es kann zu einer sehr hohen Auslastung von Krankenhäusern und Arztpraxen kommen und dadurch auch zu Engpässen von medizinischen Materialien. Das kann unter Umständen für das Pflegepersonal und für Ärzte gefährlich werden. Vor allem bereitet mir die Personaldecke aktuell Sorgen, da diese dünn besetzt ist. Speziell bei Gesundheitsämtern. Bei Symptomen soll man auf gar keinen Fall persönlich in eine Arztpraxis spazieren, aber was passiert, wenn die telefonischen Leitungen komplett ausgelastet sind?

Was kann man aus der aktuellen Lage für die Zukunft lernen?

Wir haben aktuell die Chance aus jedem Schritt, den wir gegen die Ausbreitung des Covid-19 Erregers tätigen, für eine zukünftige Pandemie etwas Neues für die Zukunft mitzunehmen. Deshalb bietet die aktuelle Lage einen hohen Lernprozess und die Möglichkeit, neue Konzepte zu entwickeln. Digitale Strukturen ausbauen, die es ermöglichen, den Unterricht im Notfall auch von Zuhause verfolgen zu können. Ebenfalls sinnvoll ist es als berufstätiger Mensch von Zuhause aus zu arbeiten, wenn es die Beschäftigung zulässt. Der Staat hat die Möglichkeit in Zukunft dort anzupacken, wo heute noch Lücken klaffen. Insbesondere bei der Entwicklung von digitalen Gesundheitskonzepten sehe ich Nachholbedarf vom Gesundheitsministerium und einen höheren Spielraum für künftige Förderungsmaßnahmen.

Welche Rolle könnte das digitale Gesundheitswesen spielen?

Ein Problem, was wir auch bei der jährlichen Influenza-Welle sehen, ist die hohe Auslastung von Krankenhäusern und der chaotische Ablauf, insbesondere bei der Patientenversorgung. Da können digitale Systeme ansetzen und die Abläufe für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen systematischer, sowie effizienter gestalten. Die Möglichkeit Patienten nach Behandlungsgrad einzustufen, freie Betten so schnell wie möglich zu identifizieren und medizinische Geräte in sekundenschnelle zu lokalisieren, um in Notfällen einen höheren Handlungsspielraum zu haben und dementsprechend reagieren zu können. Dadurch ist es ebenfalls möglich, die Hygienestandards einzuhalten und weiter zu optimieren. Das sind eigentlich Maßnahmen, die von Krankenhäusern erwartet, aber schon seit Jahren verschleppt werden, aufgrund von Budgetkürzungen und den anhaltenden Sparkursen. Hinsichtlich einer von der WHO bestätigten Pandemie, sind das Maßnahmen, die zu einer deutlich verbesserten Versorgung der bereits infizierten Patienten und der Vermeidung von drohenden Engpässen beitragen können. Deshalb ist es wichtig, dass in Zukunft das digitale Gesundheitswesen weiter gefördert wird.

Was halten Sie in dem Zusammenhang von den technischen Lösungen der Firma cibX?

Das technische Konzept, welches die genannte Firma anbietet, orientiert sich genau anhand der von mir geforderten Maßnahmen. Patientenortung, digital erstellbare Quarantänezonen oder „heiße Zonen“ und die einfache Lokalisierung von Geräten und Betten für Patienten und deren Behandlung. Natürlich macht das auch Sinn bei den gestiegenen Hygienevorschriften! Man kann in sekundenschnelle feststellen, ob Schutzkleidung, medizinisches Gerät oder Betten in konterminierten Bereichen verwendet wurden und dementsprechend ausweichen. Das ist ein wichtiger Schritt, wenn man das Virus unter Kontrollen bekommen möchte. Vor allem in vermeintlich sicheren Bereichen wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Gleichzeitig lassen sich ethische Entscheidungen bei der Behandlung von Patienten vermeiden, da die Abläufe deutlich strukturierter geregelt sind und mehr Zeit, mehr Ressourcen zur Verfügung stehen. Sprich: Die Zeit, die bei der Organisation und der Suche nach verfügbaren Ressourcen verloren geht, kommt dem Patienten zugute und letztendlich auf den Pflegern und den Ärzten. Das würde ich gerne nochmal zum Abschluss betonen: An alle Pfleger, Ärzte und Menschen, die dabei helfen die Struktur des Alltags aufrechtzuerhalten, ein ganz großes Dankeschön! Haltet die Augen offen und helft euch gegenseitig.

Vielen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch!

Zur Person

Thomas Maria Zimmermann ist promovierter Chirurg und Landespolitiker der CSU. Zwischen 1994 und 2013 war er Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Er war gesundheits- und drogenpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion, Mitglied des Ausschusses für Sozial-, Gesundheits- und Familienpolitik sowie Mitglied des Ausschusses für Hochschule, Forschung und Kultur.

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