Berühmte Alzheimer- und Demenzpatienten – Teil 3

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Im dritten Teil unserer Reihe berühmte Alzheimer- und Demenzpatienten geht es heute um zwei echte Tausendsassas.

Gunter Sachs – Gentleman-Playboy

Einige würden sagen, er hatte alles, was man sich wünschen kann. Er war reich, umgab sich mit schönen Frauen und half Menschen in Not. Er war Unternehmer, Bobfahrer, Fotograf, Dokumentarfilmer, Kunstsammler und Astrologie-Forscher.

Es gab aber auch eine Kehrseite. Als er 3 Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. Er lebte fortan bei seiner Mutter in der Schweiz. Im jungen Alter von 26 Jahren verlor er in einem Jahr seine Ehefrau (Narkosefehler) und seinen Vater (Selbstmord).  Danach trat er als stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat der Sachs-Gruppe ein. Er lebte sein Leben mit Partys, Frauen, schnellen Autos und Booten…

Was man allerding nicht vermuten würde: Gunter Sachs war er ein furchtloser Perfektionist, der nicht eher ruhte, bis absolut keine Einwände mehr denkbar waren. Das allerdings bezog sich bei ihm auf alles: das Ausrichten seiner Feste, das Zusammenstellen der Gästeliste und die Einrichtung seiner Häuser. Mit etwas Vorläufigem konnte er sich nicht arrangieren.

Seine letzte Ehefrau Mirja Sachs sagte nach seinem Tod: „Vielleicht war auch das ein Grund für ihn zu gehen, er war so ein Perfektionist. Wenig perfekt wollte er sich selbst nicht sehen.“

Im Mai 2011 erschoss sich Gunter Sachs in seinem Haus in Gstaad. In seinem Abschiedsbrief begründete er seinen Suizid mit der Vermutung, an Alzheimer erkrankt zu sein. Er klagte über ein schlechter werdendes Gedächtnis, Vergsllichkeit und einen abnehmenden Sprachschatz. Solche Selbstdiagnosen sind aber mit Vorsicht zu genießen, weswegen seine Erkrankung nicht als sicher gilt.

„..Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten…“ (Auszug aus dem Abschiedsbrief von Gunter Sachs)

Inge Meysel – Mutter der Nation

Die beliebte Schauspielerin Inge Meysel kennen wir alle als eine Frau, die bis zu ihrem Tod immer gesagt hat, was sie denkt, aber immer mit Witz und Charme. So meinte sie einmal, das beste Schlankheitsmittel sei: „Morgens ein Ei und ein Glas Rotwein, mittags zwei Eier und zwei Glas Rotwein, abends drei Eier und den Rest der Flasche.“

Als Schauspielerin war sie nicht in eine Schulblade zu platzieren. Sie spielte alles, von der Salondame über die Putzfrau bis hin zur hinterhältigen Mörderin. Uns allen wird sie aber als Käthe Scholz in Erinnerung bleiben: Eine Hausfrau mit Kittelschürze, als Kämpferin mit Herz, großen Kulleraugen und großer Klappe. Sie spielt die Mutter in der TV-Serie „Die Unverbesserlichen“, die jeden Muttertag von 1965 bis 1971 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Und sie wurde allen bekannt als „Mutter der Nation“.

Aber nicht nur als Protagonistin in über 100 Werken, ob als Schauspielerin im TV oder im Theater oder als Sprecherin für Hörspiele ist Inge Meysel bekannt. Auch politisch war sie sehr engagiert. Mit gerade einmal 15 Jahren hatte sie ihren ersten öffentlichen Auftritt mit einer Rede gegen die Todesstrafe auf einer Kundgebung der Jungdemokraten. Sie setzte sich sehr für die Rechte der Frauen ein und nahm auch an Protest-Veranstaltungen gegen den §218 teil. Ende der Zwanziger wechselte sie zu den Jungsozialisten und unterstützte Willi Brandt in seinem Wahlkampf.

Mit Alice Schwarzer und acht weiteren Frauen versuchte sie 1978, den Stern auf Unterlassung sexistischer Darstellungen zu verklagen (Sexismus-Prozess), sie scheiterten allerdings. 1981 lehnte Sie das Bundesverdienstkreuz mit der Begründung ab, dass es keinen Orden wert sei, wenn jemand sein Leben anständig gelebt hat. Außerdem engagierte sie sich für den Kampf gegen AIDS.

Im Jahr 2000 spielte sie in dem Film „Die blauen und die grauen Tage“ eine an Alzheimer erkrankte ältere Dame.

2003 wurde ihre Demenz-Erkrankung öffentlich. Noch im gleichen Jahr spielte sie im Alter von 92 Jahren in der Serie „Polizeinotruf 110“  eine gleichaltrige Greisin.

Inge Meysel verstarb am 10 Juli 2004 in ihrem Haus im niedersächsischen Bullenhausen und wurde neben ihrem Ehemann John Olden begraben.

 „Ich als altes Zirkuspferd werde doch deswegen keine Theaterpremiere platzen lassen.“ (1975 nach einem Armbruch vor der Berliner Aufführung von Rolf Hochhuths „Hebamme“)

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