Aus dem Arbeitsleben einer „Krankenschwester“

BB_Krankenschwester

Finja ist 23 Jahre alt und Gesundheits- und Krankenpflegerin aus dem Ruhrgebiet. Im Interview mit der cibX GmbH berichtet sie uns von ihrem Arbeitsalltag, den Problemen in der Pflege und ihrer Meinung zu Digital Health.

Hallo, Finja! Wie bist du dazu gekommen, Gesundheits- und Krankenpflegerin zu werden?

Die Ausbildung habe ich ursprünglich nur gemacht, um eine bessere Chance auf einen Studienplatz in der Medizin zu bekommen. Nach meinem eigentlich für das Studium absolvierten Krankenpflegepraktikum habe ich gemerkt, dass der Beruf Spaß machen kann und eine gute Basis für das Studium bildet und daraufhin die Ausbildung begonnen. Nun arbeite ich auch während meines Studiums noch gerne an den Wochenenden als „Krankenschwester“.

Auf was für einer Station bist du tätig?

Ich arbeite auf einer unfallchirurgischen Station.

Was motiviert dich in deinem Job?

Mich motiviert vor allem, dass ich meinen Arbeitsalltag trotz etlicher Routinen jeden Tag neu und selbstständig organisieren muss. Weiterhin motiviert mich die interdisziplinäre Arbeit mit anderen Berufsgruppen aus dem Krankenhaus. Außerdem mache ich meinen Job gerne, da ich weiß und regelmäßig merke, dass ich durch meine Arbeit, vor allem durch Gespräche und „ein offenes Ohr“ den Krankenhausaufenthalt für viele Patienten angenehmer machen kann.

Wie stressig empfindest du einen Arbeitstag im Krankenhaus? Wie würdest du die Arbeitsbelastung für einen Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin einschätzen?

Das kommt sehr auf den Dienst und die Besetzung an. Wenn zum Beispiel im Frühdienst bis zu zehn Neuaufnahmen postoperativ auf die Station kommen und nicht sofort alle Betten frei sind oder im Spätdienst eine Notaufnahme nach der anderen angekündigt wird und man nicht mehr dazu kommt, die übrigen Patienten zu versorgen, kann ein Arbeitsalltag sehr stressig werden. Vor allem belastend und sicher als Stressfaktor ist das Telefon, das nach Feierabend der Sekretärin der Pflege übergeben wird. Nicht selten klingelt es den ganzen Nachmittag, oft mit administratorischen und organisatorischen Fragen, die zu dem Zeitpunkt nicht geklärt werden können. Ich denke, dass die Arbeitsbelastung, besonders für ältere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen häufig sehr groß ist. Viele Kollegen und Kolleginnen berichten, dass sie sich nach einem Frühdienst für einen Mittagsschlaf hinlegen müssen.

Was sind für dich die größten Probleme in der Krankenpflege?

Für mich ist das größte Problem, dass für die immer größer werdenden Stationen zu wenig Personal da ist. So ist oft nicht ausreichend Zeit, sich um jeden Patienten entsprechend seiner Bedürfnisse zu kümmern. Außerdem ist man mittlerweile einen großen Teil der Arbeitszeit mit der Dokumentation beschäftigt, die sich zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Digitalisierung verdoppelt, da sowohl manuell als auch digital dokumentiert werden muss.

Was für technische Hilfsmittel nutzt ihr auf deiner Station, um Arbeitsprozesse zu beschleunigen?

Wir haben ein Programm, mit dem wir einen Transportdienst benachrichtigen bzw. anpiepen können, der sowohl Patienten zu Untersuchungen oder in den OP bringt und abholt als auch Materialien wie Blutröhrchen etc. von A nach B bringt.

Die cibX möchte mit cleveren Ortungssystemen die Arbeit in der Medizinwelt optimieren. Kommt es bei euch öfter zu Situationen, in denen ihr nicht wisst, wo zum Beispiel freie Betten oder andere wichtige Utensilien zu finden sind? Wie löst ihr solche Probleme dann?

Oft fehlen Rollstühle oder passende Beinstützen für die Rollstühle. Meist gibt es keine andere Lösung als abwarten, bis wieder ein passender „Rolli“ zur Verfügung steht. Wird dringend einer benötigt, muss sich ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin ans Telefon setzen und die anderen Stationen durchtelefonieren. Wenn zum Beispiel ein elektrisches Bett auf der Station gebraucht wird, dann muss ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin in den Keller zur Bettenzentrale fahren, um zunächst herauszufinden, ob es ein freies Bett gibt und dieses dann mitzunehmen. Gibt es kein elektrisches Bett, muss der Patient erstmal mit einem „normalen“ Bett vorliebnehmen.

Kommt es auch manchmal vor, dass ihr nicht genau wisst, wo sich Patienten gerade aufhalten?

Das kommt vor, viel größer ist aber das Problem, dass Patienten, die zum Beispiel an einem Tag eine Röntgenkontrolle haben sollen, den ganzen Tag auf der Station warten müssen, bis sie zum Röntgen abgerufen werden, da es nicht die Möglichkeit gibt, konkrete Termin zu vergeben und es nahezu unmöglich ist, Kontakt zu den Patienten aufzunehmen, wenn diese die Station in der Zwischenzeit verlassen möchten. Hier lassen wir uns in Ausnahmesituationen dann die Handynummer des Patienten geben, um ihn erreichen zu können, wenn sie in diesem Fall zum Röntgen abgerufen werden.

Der Internist und Diabetologe Dr. Hansjörg Mühlen hat vor kurzem auf einem Kongress gesagt: „Die Digitalisierung wird nicht den Arzt ersetzen, sondern der digitalisierte den nicht digitalisierten Arzt.“ Wie stehst du zu dieser Aussage?

Ich denke, dass eine Digitalisierung vor allem die Kommunikation zwischen den Ärzten einer aber auch mehrerer Fachabteilungen sowie die Interdisziplinäre Kommunikation und Interaktion verbessern wird. Dies wird nicht nur dem Personal, sondern vor allem auch dem Patienten zugutekommen, da so alle behandelnden und involvierten Berufsgruppen auf dem gleichen Informationsstand sind. Ich denke, dass im Hinblick auf die Optimierung der Patientenversorung so tatsächlich der digitalisierte Arzt, zwar langsam, den nicht digitalisierten Arzt ersetzen wird.

Zum Abschluss: Was wünscht du dir für die Zukunft der Pflege? Gibt es zum Beispiel eine bestimmte Technologie, die du bei der Arbeit gerne als Unterstützung hättest?

Ich fände es sehr hilfreich, in Zukunft auf eine digitalisierte, von allen behandelnden Berufsgruppen gespeiste Krankenakte zugreifen zu können, in der sowohl die Diagnosen, der aktuelle Medikamentenplan, als auch der zuletzt erfasste Gesundheitszustand dokumentiert sind. Ich würde mir wünschen, dass diese Krankenakte für alle weiteren zur Behandlung hinzugezogenen Institutionen und Berufsgruppen des Gesundheitswesens zugänglich ist. Mir ist aber natürlich auch bewusst, dass das derzeit bedingt durch die Datenschutzrichtlinien nicht möglich ist.

Vielen Dank für deine Zeit, Finja! ☺

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